Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

Rezension: Ismales Orangen

Claire Hajaj  – Ismaels Orangen

Ismaels Orangen

  • Verlag: blanvalet
  • Seitenzahl: 442
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Jaffa, im April1948. Salim Al Ismaeli ist der Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters. Er ist sieben Jahre alt und wartet sehnsüchtig darauf, die ersten Orangen des zu seiner Geburt gepflanzten Orangenbaumes zu ernten, um dann ein „Mann“ zu sein. Doch der israelisch-palestinensische Konflikt, der seit der Gründung des israelischen Staates auf arabischem Boden schwelt, weitet sich zu einem Krieg aus und die fünfköpfige Familie – Salim hat noch 2 Brüder – muss fliehen. Seit der Zeit hat Salim einen Traum, dem er alles unterordnet: In sein Land zurückkehren. Doch die Familie hat alles verloren, seit der jüdische Staat 1950ein Gesetz erlassen hat, das alle palästinensischen Staatsbürger enteignet, die vor den Bomben im Krieg geflohen sind. Zur selben Zeit wächst Judith als Tochter von Holocaust-Überlebenden in England auf versucht alles, um ein normales und angepasstes Leben zu führen. Salim und Judith begegnen sich im London der 60er Jahre, wohin Salim nach einem trostlosen Aufenthalt in Nazareth bei seiner Halbschwester zum Studieren gegangen ist. Die beiden verlieben sich und werden ein Paar – trotz aller Widerstände in den jeweiligen Familien. Bei der Hochzeit versprechen sie sich, alles Trennende zu überwinden. Doch auf Dauer wird die Unvereinbarkeit der Ehe zur Zerreißprobe und überträgt sich auch auf ihre Kinder. Weder Judith noch Salim können de Geschehnisse im geteilten Palästina ausblenden – nicht die Terrorattacken der PLO in Israel und nicht die Gräueltaten der Israelis in den besetzten Gebieten.
  • Rezension: Um es vorweg zu sagen: Es ist ein wunderbarer Roman, der mitreißend  die Geschichte zweier Familien erzählt und gleichzeitig den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis derart schildert, dass der Leser Verständnis für beide Seiten aufbringt. Hier wird eine Brücke im Kampf der Kulturen und das in einer intensiven und sinnlichen Sprache, die in den Bann zieht. Schon äußerlich lädt das Buch zum zugreifen ein: ein fester, satt gelber Umschlag, ein viele Früchte tragender Orangenbaum und ein Junge, der sich von ihm entfernt. Außerdem hat das Buch ein orangefarbenes Lesebändchen, dass man einsetzten kann, falls man das Buch einmal beiseite legen muss!! Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, ist sie doch selber in London als Tochter  einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters geboren und genauso wie ihre Hauptfiguren hat sie in England und im nahen Osten gelebt. Deshalb durchzieht den ganzen Roman eine Sehnsucht nach Frieden und die Hoffnung, dass es vielleicht doch einmal möglich sein wird nicht mehr zu streiten. Jeder Krieg muss einmal zu Ende sein – so die Botschaft. Claire Hajaj hat auf jeden Fall einen Baustein zum Verständnis beider Seiten geschrieben. Ein großartiger Familienroman und eine ausgezeichnete Schilderung des Nahostkonfliktes. Dieser deutet sich bereits im Titel an, denn Ismael war ja der erstgeborne Sohn Abrahams, der zu Gunsten des zweitgeborenen Sohns Isaak verstoßen wurde. Ismael soll der Bibel nach der Stammvater der Muslime und Isaak der Gründer des Judentums sein. (Buch Genesis). Vielen Dank an das Team vom blanvalet Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
  • Bewertung: 5 Sterne

Rezension: Winterwassertief

Lilly Lindner  – Winterassertief

winterwassertief

  • Verlag: Droemer
  • Seitenzahl: 356
  • Teil einer Reihe?: Ja, es ist die Fortsetzung von „Splitterfasernackt„.
  • Inhalt: Nach der beklemmenden Autobiografie „Splitterfasernackt“, in der Lilly Lindner die Stationen ihrer tiefen Verletzungen schildert, erzählt sie nun, was danach kam. Sie hatte im Bordell angefangen ihre Geschichte aufzuschreiben: Von den Vergewaltigungen durch den Nachbarn mit 6 Jahren, der Entführung und dem Martyrium mit 17 und der Zeit, in der sie sich prostituiert hatte und dem, was ihr vom Leben übrig geblieben war. Sie findet einen Verleger, der zu einem Vertrauten wird, die Freunde aus dem ersten Buch stehen immer noch an ihrer Seite. Obwohl sie der Prostitution entkommen ist, heißt das noch lange nicht, dass ihr Leben nun in geordneten Bahnen verläuft. Wie auch bei der Schwere der Verletzungen? Aber sie schafft es mit Hilfe ihres großartigen Freundes Chase einen neuen Weg zu beschreiten und ihre Autobiografie öffentlich zu machen. Das Buch beschreibt ihre widersprüchlichen Gefühle darüber, ihren Umgang mit der Tatsache, dass ihre Gesichte nun für jedermann offen daliegt. Unaushaltbare Spannungen werden weiterhin durch Anorexie und Selbst Selbstverletzungen „bekämpft“ und umgeleitet. Trotzdem schafft sie es, auf Lesereise zu gehen und schildert im letzten Teil ihre Begegnung mit Zuhörern und Lesern, die sich ihr oft als Menschen mit ähnlichen Schicksalen offenbaren.
  • Rezension: Ich muss gestehen, mich hat das Buch geärgert. War „Splitterfasernackt“ noch berührend und schockierend, mischt Lilly hier Gegenwart und Geschichten aus der Vergangenheit so, dass jemand, der das 1. Buch nicht gelesen hat, nicht alles verstehen kann und für denjenigen, der es gelesen hat, ist vieles eine Wiederholung, die keine neuen Aspekte erleuchtet. Auch stilistisch alles wie gehabt: Wortakrobatik, die sich wie selbstverliebt um sich dreht und nicht zur Erklärung und Vertiefung beiträgt. Das ist an manchen Stellen als Wortspiel ganz nett, aber es langweilt irgendwann. Trotzdem glaubt man Lilly sowohl sanftmütige Gefühle als auch eine eiskalte Ausdruckslosigkeit. Aber ihr Stil trägt für mich eher zur Abständigkeit und nicht zum Mitleiden bei. Auch das alte Spiel des Lebens aus dem ersten Buch wird hier fortgesetzt, nur dass die Komplimente diesmal Harry (Lillys Literaturagent) in den Mund gelegt werden. Zitat S. 104 „Ach Lilly“, seufzt Harry, „Kann es sein, dass du ein kleines bisschen hochbegabt bist?“ „Du bist unglaublich.“ Lilly schmeichelt sich aus der Sicht eines anderen, hoffentlich kann sie sich später einmal auch direkt beurteilen. Ich wünsche es ihr, ist es doch ein Zeichen von Gesundheit und Realitätsnähe. Vielen Dank an das Team vom Droemer Verlag, der mir dieses Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
  • Bewertung: 1 Stern

Rezension: Splitterfasernackt

Lilly Lindner – Splitterfasernackt

Splitterfasernackt

  • Verlag: Knaur
  • Seitenzahl: 394
  • Teil einer Reihe?: Nein, allerdings gibt es noch eine Fortsetzung ihrer Autobiografie mit dem Titel „Winterwassertief“.
  • Inhalt: Lilly schreibt ihre eigene Lebensgeschichte schonungslos mit sich selbst und auch dem Leser auf, atemlos das Erleben und der Stil: es ist die Geschichte eines vergewaltigten, verwahrlosten, verkauften Lebens: Mit sechs Jahren wird sie regelmäßig vom Nachbarn vergewaltigt. Da er droht, ihr das Schlimmste anzutun, wenn sie sich ihren Eltern anvertraut, schweigt sie. Ihre Eltern sind für sie sowieso keine emotionale Zuflucht, der Vater ist desinteressiert beschwichtigend, die Mutter hasst und liebt sie. Als der Nachbar wegzieht, hat Lilly nicht nur eine gestohlene Kindheit hinter sich, sondern ihr ganzes Leben ist total „unlebbar“ geworden. Mit 13 wird sie magersüchtig und ordnet dem Hungern alles unter, weil es das einzige ist, was sie kann. Sie kann nicht lieben, vertrauen, hoffen, sehnen, nur den „Hungerschmerz“ auskosten. Später verkauft sie ihren Körper in einem Bordell, da hat sie schon lange kein „Körpergefühl“ mehr. Sex ist für sie nur ein Spiel für Gewinner und sie hat ihren Einsatz schon mit 6 Jahren verloren. Nur bezahlter Sex ist einschätzbar, freier Sex, freiwilliger, ist für sie zutiefst verunsichernd und beängstigend. Im Bordell beginnt sie ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und zu verarbeiten. Herausgekommen ist ein beklemmendes, beindruckendes Buch mit sehr eigenem Stil.
  • Rezension: Die Geschichte ist schockierend, sehr berührend und ziemlich einzigartig, leider nicht ungewöhnlich. Wie muss es all den Kindern und Frauen gehen, die vergewaltigt wurden und kein Ventil wie das Schreiben finden? „Vergewaltigung kann man nie vergessen“ sagt Lilly und beschreibt, wie sie sich aus der realen Welt zurückzieht in eine eigene, sie erfindet Ana und Mia (von Anorexie nervosa und Bulimia) und redet mit ihnen auch mit Gegenständen. Gleichzeitig schildert sie unglaublich abständig ihre eignen Erkenntnisse darüber , warum und wie sie handelt. Das Buch ist ein tiefer Einblick in ein total fremdbestimmtes Leben, Gott sei Dank mit einem kleinen Lichtblick am Horizont, wenn Lilly sich zum ersten Mal fallen lassen kann ohne Fluchtgedanken bei ihrem großartigen Freund Chase. Dem – und ihrer Freundin Lady – legt Lilly viele Erklärungen zu ihrem Verhalten in den Mund, die sehr scharfsinnig sind. So berichtet er in einem intimen Moment, dass er sie verstanden hat durch ihr Schweigen, durch ihre Stille, die sehr viel beredeter war als ihr Aufschreien. Und Lady erzählt ihr so vielsagende Sätze wie: Du kannst dich sieben Tage in eine Garage stellen und wirst doch kein Auto! Auch wenn der Stil einzigartig ist, hat mich zunehmend die Wiederholung der Zerlegung bestimmter Satzmuster in Einzelsegmente gestört. Auch die ständige „Fremdbewunderung“ ihres Körpers und Aussehens durch ihre Freier ging mir manchmal auf die Nerven, auch wenn es nachvollziehbar ist, die Eigenwahrnehmung auf diese Weise zu korrigieren. Vielen Dank an das Team vom Knaur Verlag, der mir diese Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gesellt haben.
  • Bewertung: 4 Sterne

Rezension: Heirate nie in Monte Carlo

Graham Greene – Heirate nie in Monte Carlos

Heirate nie in Monte Carlo

  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl: 115
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Bertrand und Carry wollen heiraten. Sie ist seine große Liebe, nachdem seine erste Ehe gescheitert ist. Alles ist vorausgeplant, alles soll in einem beschaulichen englischen Städtchen stattfinden, so wie es dem schmalen Budget der verlobten angemessen ist. Bertrand ist Buchhalter in einer großen Firma und wird eines Tages zum GAM (großen alten Mann) gerufen. Der geheimnisvolle, unberechenbare Chef aus der achten Etage braucht die Erkenntnisse des Zahlengenies um einen Fehler in der Buchhaltung aufzuspüren. Bertrand löst das Problem und wird von seinem Chef auf seine Yacht eingeladen, um die Hochzeitsreise nach Italien zu machen nachdem Cary und Bertrand in Monte Carlos geheiratet haben. Der GAM duldet keinen Einwand und lässt alles von seiner Sekretärin arrangieren. Cary ist nicht begeistert, lässt sich aber auf das Arrangement ein. Doch dann läuft alles schief, das Hotel ist zu teuer, der GAM erscheint nicht und Bertrand muss spielen, um die Rechnungen bezahlen zu können. Beim Spiel blüht er auf und Cary welkt dahin, doch nicht lange…
  • Rezension: Graham Greene, der „weitgereiste Schwerenöter“, schreibt ein romantisches Märchen, dessen Originaltitel „Loser takes all“ den Inhalt und die Moral besser beschreibt als der deutsche Titel. Denn Bertrand pokert hoch im Roulettespiel und der Liebe zu seiner Verlobten Cary, verliert sie und seinen Einsatz und steht am Ende doch auf der Gewinnerseite, nachdem er auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle gegangen ist. Das Ganze ist ziemlich unaufgeregt beschrieben und entfaltet gerade deshalb eine Sogwirkung. Wie wird es enden? Funktioniert sein System beim Roulette, kann er Cary zurückgewinnen? Es macht Spaß, das Buch zu lesen, zumal es auch äußerlich sehr schön gestaltet ist: rotes Leinen mit einem Foto, das eine Badeszene aus den Fünfzigern zeigt, die Lust auf den Inhalt macht. Insgesamt ein Kleinod. Vielen Dank an das Team vom Wagenbach Verlag, der mir diese Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gesellt hat.
  • Bewertung: 5 Sterne

Rezension: Vorübungen für Wunder

Erich Fried – Torübungen für Wunder. Gedichte von Zorn und von der Liebe

Vorübungen für Wunder

  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl: 114
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Der Auswahlband sammelt Gedichte von Erich Fried aus seinen letzten zehn Lebensjahren, die verschiedene Themen berühren, nämlich: „gegen das Vergessen“, „Freiheit herrscht nicht“, „Die mit der Sprache“, „Von der Liebe“, „Die letzten Worte der Völker“. Unter jeder Kategorie sind 15 – 25 Gedichte subsummiert, Gedichte der Kriegszeit, der Nachkriegszeit und Studentenbewegung der 68er, der Sinnsuche des Lebens, Krieg, Verteidigung, Hoffnung und in den 80ern und in der  Zukunft.
  • Rezension: Fast jeder der Nachkriegsgeneration hat die „Liebesgedichte“ von Fried verschlungen und erinnert sich an das bekannteste Gedicht: „Es ist was es ist, sagt die Liebe“, weil es neu, hoffnungsvoll, zärtlich und voller Vertrauen in den Anderen ist. Mit dem vorliegenden Band kommt der Liebhaber der politischen Lyrik (und nicht nur der) voll auf seine Kosten, denn die Gedichte sind berührend, faszinierend und anregend. Treffsicher und entlarvend sind sie, nachdenklich machend. Das Buch ist ein Juwel, das schön gestaltet ist und prima in die Handtasche passt zum immer wieder nachlesen. Vielen Dank an das Team vom Wagenbach Verlag, der mir diese Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gesellt hat.
  • Bewertung: 5 Sterne

Rezension: Hier bin ich

Victor Witte  – Hier bin ich

Hier bin ich

  • Verlag: Droemer
  • Seitenzahl: 220
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Zwei Tage aus dem Leben von Leo, einem Abiturienten der heutigen Zeit, geschildert in der Ich-Perspektive: Leo weiß, worauf es im Leben ankommt. das betrifft die richtige Markenkleidung, die Wahl der „passenden“ Mädchen, die richtige Grassorte, die auf Koks geraucht wird, der definierte Bizeps und der unbeirrbare Wille, an der Spitze seiner Clique die entscheidende Rolle zu spielen. Zusammen mit seinem Kumpel Benny verbringt Leo die Nachmittage nach der Schule im Fitness-Studio, die Abende in Diskotheken, Koks konsumierend und die Nächte bei den angesagten Mädchen. Rausch ist das Ziel und alles wird dem Begehren nach der Nummer 1 Position in der Clique untergeordnet. Bei dieser „Hobelei“ fallen natürlich „Späne“, sprich unbedeutende Menschen, die aber auch dazugehören möchten, und so kommt es zu einem Eklat bei einem Yachtausflug.
  • Rezension: Der Debütroman des Autors ist zwar solide recherchiert – so leben, sprechen, handeln und empfinden sicher viele der heutigen wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen, aber schon nach kurzer Zeit empfand ich die Schilderungen der belanglosen Oberflächlichkeiten als zu ausführlich und langweilig. „Hier bin ich“ – so der Titel, na und, sage ich, wen interessiert das? Wen interessiert, wann das gegelte Haar von Leo verwuselt werden darf, ohne dass die Lockenpracht zerstört wird, wen interessiert, welcher Muskel womit und wie trainiert werden muss, um definiert und wettbewerbsfähig zu sein, wen interessiert der Musikgeschmack der Jugendlichen, wenn er nur nach „angesagt“ und nicht lustvoll ausgesucht wird? Mich jedenfalls nicht! Ich habe mich gelangweilt, auch weil der Stil  nur Abbild der Jugendsprache mit vielen Anglizismen ist und deshalb eher keine Herausforderung an den Intellekt – an das Vergnügen etwas Neues kennenzulernen – wenn man nicht mehr im jugendlichen Alter ist, schon gar nicht.  Vielen Dank an das Team vom Droemer Verlag, der mir dieses Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
  • Bewertung: 1 Stern

Rezension: Himmelrot

Heiner Meemken – Himmelrot

Himmelrot

  • Verlag: Knaur
  • Seitenzahl: 336
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Nichts läuft mehr rund bei Klaus Wiesenbach, seine Ehe nicht, die Arbeit an der Schule nicht und das Leben schon gar nicht. Der Gymnasiallehrer steckt in einer Identitätskrise. Nach einem psychischen Zusammenbruch mit 50 Jahren ist Klaus krankgeschrieben und er weiß nicht, wie es mit ihm weitergehen soll. Da erreicht ihn eine E-Mail seines früheren Studienfreundes Rüdiger, der Krebs hat und nicht mehr lange leben wird, mit der Bitte, für ihn eine Abschiedsfeier mit 5 ehemaligen Kommilitonen zu organisieren. Klaus macht sich auf den Weg quer durch Deutschland, um die Weggefährten von vor 25 Jahren aufzusuchen und mit Rüdigers Wunsch zu konfrontieren. Gleichzeitig wird er dabei auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und er überdenkt die Träume und Ideale von damals, die er verloren hat, er blickt zurück und versucht mit neugewonnener Klarheit einen Neuanfang zu wagen.
  • Rezension: Der Autor verknüpft das Gedankengut und die Lebensweise der 1970er Jahre geschickt mit unserer Gegenwart, indem er die von Klaus ausgesuchten Freunde von der damaligen Zeit berichte lässt und gleichzeitig Klaus Gedanken dazu aus heutiger Sicht kommentierend verdeutlicht. Klaus ist alles andere als glücklich und zufrieden sondern zutiefst verunsichert über sein „heimatloses“ Dasein. „Wenn du deinen Wurzeln verlierst verdorrst du innerlich“ resümiert der Protagonist und stellt sich seinen schmerzhaften Rückblenden. Der Leser kann an den Gedanken teilhaben und wird zum eigenen Hinterfragen angeregt. Die 5 Freunde, die Klaus unangemeldet aufsucht, könnten unterschiedlicher nicht sein, jeder steuert anderes Gedankengut bei: Manchmal muss man aufpassen, dass man nicht auf glatte Fassaden wie bei Herbie hereinfällt, der stark an die Werbung mit dem Fotoangeber – mein Haus – meine Yacht – mein Pool – erinnert. Aber er ist derjenige, der mitten in einem Beschwichtigungssatz (Das wird schon…) abrupt zu einer Frage wechselt, die mitten ins Mark trifft. So bleibt die Wachheit und die Neugier des Lesers erhalten, denn die Art der Geschichtendarstellung ist etwas gleichförmig. Ich könnte mir vorstellen, dass Leser der jüngeren Generation mit den Figuren und Revoluzzer-Themen nicht so viel anfangen können, Leser, die diese Zeit miterlebt haben, haben ganz viele vergnügliche „Ach – ja – Erlebnisse“. Ärgerlich nur, dass auch (Achtung! Spoiler!) das zu erwartende Klischee – Klas trifft auf eine Tochter, von der er nichts wusste – bedient wird. Vielen Dank an das Team vom Knaur Verlag, der mir dieses Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
  • Bewertung: 3 Sterne  bis 4 Sterne