Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

Rezension: Refugiés Worldwide

Refugees Worldwide 3 Reportagen – Hrsg.: Charlotte Rauth/Ulrich Schreiber

  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl:  225
  • Teil einer Reihe?: Ja
  • Inhalt und Rezension:Vierzehn Fluchtgeschichten von fünfzehn Autoren, der Sammelband vereinigt vierzehn berührende und komplexe Geschichten, deren zentrales Thema ist: Was bedeutet es für einen Menschen, zu flüchten oder geflohen zu sein. Neben den vierzehn Reportagen enthält der Band Biographien der Autoren und Autorinnen und der Übersetzer*innen, das macht die Geschichten noch persönlicher. Geschichten, Erlebnisse Gefahren, Träume, Visionen- prall gefüllt sind die Berichte. Schmerzhafter Anfang in einem komplett neuen, anderen Land, komplizierte Rechtslagen wegen des Aufenthaltstatus, Rassismus, physische und psychische Folgen von Vertreibung und koloniale Vergangenheit und deren Auswirkungen bis heute sind zum Beispiel Schwerpunkte der Reportagen. Diese literarischen und doch realistischen Schilderungen sind so persönlich, dass der Leser wie in eine andere Welt eintaucht: Voller Mitgefühl und Bewunderung, was Flüchtlinge auf sich nehmen (müssen), aushalten und bewältigen. Träume von gestern sind ausgeträumt, die Zukunft verloren. Gerade heute, während der fürchterliche Ukrainekrieg tobt, sind die Schilderungen aktueller denn je. Hier werden  nackte Zahlen, die Anzahl der Millionen Geflüchteten, wieder in Einzelschicksale zurückverwandelt: Das alles passiert Menschen aus Fleisch und Blut nicht Robotern.
    Ich kann keine Sterne verteilen, da ich die Reportagen nicht literarisch betrachten möchte, sie sind einfach real und unendlich berührend. Beispielhaft sei hier ein kleiner Ausschnitt zitiert, um die Eindringlichkeit des Erlebten und Niedergeschriebenen zu dokumentieren: Taqi Akhlaqi aus dem Iran schildert seinen Weg nach Afghanistan und später nach Deutschland: Das Leben Geflüchteter wird von zwei Gegebenheiten gezeichnet: vom Verlust der Menschenwürde und von dem langen Warten in Ungewissheit. Menschen, die bis gestern ein ganz normales Leben führten, morgens aufstanden, zur Arbeit gingen, lernten, studierten, Ersparnisse hatten, im Kreis von Familie und Kinder zu Abend aßen und anschließend Fußball und Filme schauten, kämpfen plötzlich ums nackte Überleben. Man sieht sie in langen Schlangen stehend, auf Essen warten, sieht sie Stacheldrahtzäune überwinden, vor Polizisten fliehen, in Kisten und unter Bäumen nächtigen, sich an LKWs hängen, ihre Verwandten, auch Kinder; in seeuntüchtigen Schlauchbooten auf hochgefährliche Reisen schicken. Einigen schwinden die Kräfte dabei in unfassbar kurzer Zeit.

Quelle der Bilder und Infos: https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1331-refugees-worldwide-3.html

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Rezension: Das Mädchen das man ruft

Tanguy Viel – Das Mädchen das man ruft
  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl:  155
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: “ Die Protagonistin Laura, Anfang zwanzig und bildhübsch, kehrt nach Jahren in ihre alte Heimatstadt in der Bretagne zurück, wo ihr Vater Max wohnt, bei dem sie vorerst unterkommt. Er ist ehemaliger Boxmeister, ein Idol der Stadt, und arbeitet mittlerweile als Chauffeur des Bürgermeisters. Diesen bittet er fatalerweise um einen kleinen Gefallen, nämlich für seine Tochter eine Wohnung zu besorgen. Der  Bürgermeister lässt seine Beziehungen spielen und bringt Laura in einem Casino als „ Animateurin“ unter, wodurch sie ein Anrecht auf eine Mitarbeiterwohnung  hat. Doch dieser Gefallen wird nicht ohne Folgen bleiben und entwickelt sich zum zentralen Thema des Buches: Machtmissbrauch, Korruption, sexuelle Begierde und Übergriffigkeit, kurz Me-too.“ 
  • Rezension:  Die immer wieder gestellte Frage, warum sagen die Frauen nicht entschieden: „Nein!“, wird in diesem Buch auf das  Intelligenteste und Subtilste beleuchtet. Alle Facetten des Missbrauchs werden besonders von Opferseite, aber auch von Seiten der Täter beleuchtet, dazu gehören auch Mitwisser, Polizei, Staatsanwalt und die öffentliche Meinung. („Man kennt ja solche Frauen, die wollten es doch auch.“) Das erscheint dadurch gut nachvollziehbar aber auch schwer zu ertragen, besonders Lauras Seelenqualen, wenn sie immer wieder bei ihrer Anhörung feststellen muss, dass der Missbrauch nicht als solcher gesehen wird, da ja keine Gewalt angewendet wurde.
    Die Tatsache, dass Laura jung und  hübsch ist und bei Modeaufnahmen in Dessous recht freizügig war, berechtigt keinesfalls zu Übergriffen, die sich der Bürgermeister als „Belohnung“ für seinen Gefallen herausnimmt. Die beiden begegnen sich nicht auf Augenhöhe und so lässt sich Laura auf die erste sexuelle Handlung ein, in der Annahme, damit sei ihre Schuld abgegolten. Sie wehrt sich nicht, sondern erfüllt ihren Teil des Deals. Doch sie unterschätzt die Verselbständigung des Anspruchs des Bürgermeisters. Dieser hatte zunächst mit Gegenwehr gerechnet, das Ausbleiben berechtigt ihn in seinen Augen zum Weitermachen. Das und die Gedanken der das Protokoll der Anzeige aufnehmenden Polizisten werden facettenreich und spannend beleuchtet.
    Laura entschließt sich nach vielen Demütigungen, die eskalieren, zur Anzeige des Exbürgermeisters, der jetzt Minister für maritime Angelegenheiten ist. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Presse und Öffentlichkeit und der Autor schildert detailreich und fundiert die psychischen Reaktionen des Exliebhabers und seine Verteidigungsstrategien. Er befürchtet Erpressbarkeit und lässt sich auf ihre „Einladung“ ein, bei der sie für ihren ins Koma geboxten Vater einen Gefallen erbitten will. Deshalb liefert sie noch einmal sexuelle Dienste, wird aber nicht belohnt und beschließt, Anzeige zu erstatten. Sie hat es also nicht geschafft, den Spieß umzudrehen, und nach dem gleichen Muster, wie ihr Peiniger, Vorteile „herauszuwirtschaften“.
    Fazit: Stilistisch ist der Roman bemerkenswert: Wer lange, verschachtelte Sätze mit vielen Metaphern liebt, kommt voll auf seine Kosten. Mir war der Stil oft zu weitschweifig und manchmal banal: Er trug den Namen Frank Becell und einen weißen Anzug. Die Behandlung des Themas aus psychologischer Sicht ist faszinierend und aufschlussreich, („Solche Frauen kennt man ja, das rückt sich zurecht), die Figuren sind leider etwas blass geblieben. Bemerkenswert fand ich die wie beiläufig eingebaute Tatsache, dass die Opfer ihre Peiniger siezen, die Täter aber sofort ihre Opfer duzen. Siezen impliziert: Ich kenne dich nicht, Abstand, Duzen ist in solchen Situationen ein sofortiger Zugriff, eine Machtdemonstration und ein Platzverweis: Du unten, ich oben .Der Roman ist insgesamt wirklichkeitsnah und durchaus überzeugend.
  • Bewertung:

Quelle der Bilder und Infos: https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1314-das-maedchen-das-man-ruft.html

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Rezension: Das schräge Haus.


Susanne Bohne – Das schräge Haus

  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • Seitenzahl: 350
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Die achtjährige Ella verbringt den größten Teil ihrer glücklichen Kindheit im Schrebergarten von Mina, ihrer überaus lebensklugen Großmutter. Die Eltern sind getrennt, die Mutter kümmert sich meht um den kleinen Bruder und hat für das Mädchen keine Zeit, außerden verwandelt sie sich zunehmend in Ellas Augen in eine Dörrpflaume. Yvonne, Ellas beste Freundin ist meistens auch in der Kolonie, die ziemlich skurrile Figuren beherbergt,. Die erwachsene Ella erinnert sich an einen Tag im Sommer vor 26 Jahren, an dem ihre Kindheit abrupt endete und nichts mehr war wie zuvor. War der Sommer eben noch golden und erfüllten die Glühwürmchen Wünsche, ist jetzt alles grau.
    Ella ist Psychotherapeutin geworden und auch in ihrer Praxis begegnen wir Klienten, die alle mit ihren eigenen Schrägheiten zu kämpfen haben. Ella selbst hat ihr Trauma jenes Sommertages noch nicht überwunden, macht sich dann aber eher langsam daran, sich zu verändern. Dabei kommt ihr der Zufall in Form eines liebenswerten Klienten zur Hilfe
  • Rezension: Soviel vorweg: In dem Buch geht es auch um Symbolbilder, besonders um Häuser und Ellas Haus ist vorwiegend schräg. Dazu passt hervorragend das Cover des Buches: Eine Schildkröte, ein Tier, das immer in Ellas Vorlieben eine Rolle spielt, bewegt sich schräg über den weißen Einband, der Titel ist bläulich mit schrägem Schriftzug darunter notiert. Außerdem prangen zwei Farbkleckse, bläulich und grün, auf dem Panzer, bzw. dem Buchrand, das sind die Farben von Minas Augen .Das Ganze ist sehr ästhetisch und neugierig machend und hebt sich wohltuend von einer Vielzahl von Covers ab,  die dem Leser keine Fantasiereise zubilligt.
    Von Beginn an merkt man, dass die Autorin vorher Kinderbücher geschrieben hat, Der Stil ist humorvoll, kindgemäß ohne seicht zu sein, poetisch und direkt,  außerdem an manchen Stellen ruhrpottmäßig gefärbt, was den Text sehr lebendig  macht. Es dominiert ein warmherziger Unterton ein liebevoller Blick auf all die schrägen Eigenheiten der handelnden Personen. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass sich der Roman selbst nicht ganz ernst nimmt, sondern immer mit einem Augenzwinkern versehen ist. Viele Gedanken und Überlegungen sind bei aller Komplexität sehr schön schnörkellos niedergeschrieben und deshalb leicht nachzuvollziehen und der Leser erkennt eigene Grundzüge und Erfahrungen. Wer kennt dieses „ Deja vue“  Erlebnis nicht? (So oder in anderer Form): Manchmal hörte man die Frikadellen aus der Küche bis zu den Gästetischen brutzeln, es erinnerte mich jedes Mal wieder an die paradiesischen Zeiten, als noch alles Schlechte der Welt mit simplem Frikadellenduft ausgemerzt werden konnte.. Ist das nicht zauberhaft und anrührend?
    Genauso wie die Beschreibung von Yvonne, der besten Freundin, so eine Freundin wünscht sich jeder und die Autorin schafft es, Yvonnes Eigenarten in Handlungen und Gesten umzusetzen, die Yvonne überaus lebendig vor den Augen der Leser werden lässt. Diese Protagonistin ist mir am meisten ans Herz gewachsen, sie bricht sogar ohne viele Worte ihre Flitterwochen ab, um Ella beizustehen
    Das Buch ist geeignet für Leser, die Wert auf authentische, kindliche, oder besser noch nicht erwachsene, Seelenbeschreibungen und Entwicklungen  legen.
  • Bewertung:

Quelle des Bildes:https://www.rowohlt.de/taschenbuch/susanne-bohne-das-schraege-haus.html

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Rezension: Status

Patricia Staniek – Status. So verschaffen Sie sich Ansehen, Gehör und Respekt

  • Verlag: Goldegg
  • Seitenzahl: 241
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Wie der Untertitel des Buches verrät, versucht die Autorin das Phänomen „Status“ so zu beleuchten, dass jeder die  Gesetzmäßigkeiten von Status als gesellschaftlicher  Position versus Statusverhalten  verstehen kann. Anhand vieler Beispiele aus ihrem Umfeld, etwas schulmäßig, kleinschrittig gegliedert, schildert und erklärt sie viele Aspekte des Themas. Am Ende des Buches gibt es einen Anhang mit Gastbeiträgen- u.a. von ihrem Ehemann-,  Literaturempfehlungen ,  social-Media Kommentare und leider auch seitenfüllende Werbung für bereits erschienene Bücher der Autorin und Empfehlungen für ihre Coachingseminare.
  • Rezension: Um es vorwegzunehmen: Das Buch fängt peinlich an, endet peinlich und hat dazwischen wenig zu bieten: Allgemeinplätze und nicht ohne (ausbleibende) Anleitung umzusetzende Ratschläge. Immer wieder betont Patricia Staniek ihre Tätigkeit als Profiler, Kriminologin, Wirtschaftscoach und Unternehmensberaterin. Zur Belobigung der eigenen Person  wird noch das Vorwort einer Kommunikationsexpertin vorangestellt, die die Autorin als exzellente  Beobachterin von Körpersprache, Mimik  und menschlichem Verhalten ausweist und ihr attestiert, den  Status einer angesehenen Profilerin und eines erfolgreichen Coaches innezuhaben. Später wird noch die Bühnenerfahrung als Sängerin  bei einer anerkannten Band  erwähnt, das ist fast unerträglich. Auch der Ehemann wird noch zur indirekten Belobigung herangezogen, indem seine Antwort auf ihre Frage, was sie wirklich gut könne, wörtlich zitiert wird:“ Du kannst super reden, ich kenne niemanden, der so viele Worte in einer Minute unterbringt, die gut klingen und du kannst Menschen was beibringen, du hast die Gabe, Komplexes und Schwieriges einfach zu vermitteln und die Menschen folgen dir. Irgendwie tun die automatisch immer das, was du willst.“ Klingt mehr nach Manipulation als nach Anleitung zum selbständigen Handeln.
    Fazit: Es gibt einige interessante Informationen über erarbeiteten und hineingeborenen Status und über das Statusverhalten, auch Statusspiel genannt, das immer da ist und die Art und Weise, wie jemand interagiert, bezeichnet. Es ist aber etwas dürftig, wenn man erfährt, dass Herbert seinen äußeren Tiefstatus dem inneren Hochstatus  dadurch angepasst hat, dass er sich seinen Zopf abgeschnitten hat und sein Holzfällerhemd gegen ein dezenteres Designeroutfit getauscht hat, Wie ist es dazu gekommen? Wie hat er plötzlich geschafft, glaubwürdig zu sein und Selbstbewusstsein zur Schau zu tragen, nachdem er sich ein Leben lang hinter seinem Markenzeichen Zopf versteckt hat? Dazu erfährt der Leser nur Allgemeinplätze: Wer kein Selbstbewusstsein hat ,kann daran arbeiten und es entwickeln. Aha, so einfach ist das also. Zusammen mit der Empfehlung: Bleiben Sie entspannt, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, trainieren Sie, einen kühlen Kopf zu behalten, wirkt das alles nicht sehr professionell, wie soll das gehen? Darüber schweigt das Buch leider.
    Trotzdem: Es gibt Anstöße, wie man sich seiner Wirkung bewusster wird, wie man seinen Status, so man ihn erkannt hat, gezielt und situationsabhängig einsetzen kann und somit schneller erwünschte soziale Ziele erreicht und zu einem besseren Verständnis der eigenen Person kommt.
  • Bewertung:

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/status/

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Rezension: Schau gut auf dich

Ursula Neubauer, Dr. med. Tobias Conrad – Schau gut auf dich.  Wie dich Selbstfürsorge gesund und stark mach

  • Verlag: Goldegg
  • Seitenzahl: 165
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt und Rezension: Achtsamkeit, Selbstfürsorge, Selbstliebe- das sind die Schlagworte, wenn es darum geht, ein Leben erfüllt und mit Freude zu leben. Innere physische Stärke, Klarheit und Ruhe- das sind die Versprechungen, die die Autoren von  „Schau gut auf dich“ dem Leser machen. Dazu entwickeln sie ein Programm unter den Schlagworten: Happy Tun, Happy Sagen, Happy Denken, welche in der Entdeckung der persönlichen Maxime: Happy Ethik gipfeln.
    Lebensfreude und Wertschätzung sich selbst gegenüber sind Grundbedingungen für ein gesundes Leben und sind nach  Meinung der Autoren dadurch zu erreichen, dass man sich persönliche Regeln mit eigenen  Handlungsanweisungen festlegt. Ethisch sein bedeutet für die Autoren, sich selbst und anderen gegenüber so zu handeln, wie es den eigenen erkannten und festgelegten Werten entspricht. Die ersten drei Kapitel beschäftigen sich mit folgenden Schwerpunkten:
    „ Tun“- was kann dein aktives Tun dazu beitragen, dass es dir gut geht, also tu nur, war dir gut tut.!
    „Sagen“- wie redest du eigentlich mit dir?
    „Denken“- wer willst du sein und was willst du denken?
    Ausführlich wird der Leser an eine Meditationstechnik- gekoppelt mit Entspannungsübungen –herangeführt, und konkret und kleinschrittig werden Anweisungen gegeben, wie eine Innenschau und Rückbesinnung gelingen kann. Jedes Kapitel endet in einer “Happy Ethik Verordnung“ für die jeweilige gewünschte Veränderung und der Aufforderung, diese zu notieren. Das letzte, vierte Kapitel liefert  auf zwei Seiten noch einmal eine Zusammenfassung der drei vorangegangenen Kapitel: Worum ging es bei „Tun“, „Sagen“ und „Denken“. Die letzte Seite bietet einen Festlegungsvertrag, den der Leser mit sich selber abschließt, zeitlich limitiert und verbindlich unterschreibt, in dem er seinen persönlichen kategorischen Imperativ formulieren soll.
    Für totale Neueinsteiger der Selbsterkenntnis und des Veränderungswunsches ist das Buch bestimmt hilfreich und anregend. Von Vorteil ist die klare Gliederung- jedes Kapitel ist gleich aufgebaut, wenn auch mit anderem Schwerpunkt und ermöglicht so, die Lektüre zu unterbrechen- man kommt durch die Wiederholungen problemlos wieder rein, oder Passagen zu überspringen, da die Abschnitte zwar zusammenhängen, aber  nicht zwingend aufeinander aufbauen. Für den etwas fortgeschrittenen Leser…. Das ist mir alles bekannt, aber wie setze ich das um? Wer schubst mich vom Sofa, um meine Aktivitätsverordnung (Sport, Spazierengehen im Wald) bei Hamburger Schmuddelwetter auch tatsächlich umzusetzen? Wie aktiviere ich meine Steuerungsmechanismen, wenn die Wut mich übermannt? Nach der Lektüre des Buches weiß der Leser , wenn er die Übungen durchgeführt hat,  mehr über sich, er weiß im Idealfall, was gut und was nicht gut für ihn ist, aber  er weiß immer noch nicht, woher er den Antrieb nehmen soll, diese Erkenntnisse zu leben.
    Das Buch ist eine vergnügliche, übersichtliche Lektüre über das, was sein könnte, wenn man umsetzungsfreudiger wäre. Ich musste häufig an die guten Vorsätze am Silvesterabend denken, die oft schon am Neujahrstag verpufft sind, weil die Vorstellung, morgen sei ja auch noch ein Tag,  zu verlockend ist. Das Kapitel Umsetzen und Disziplin kommt in dem Buch entschieden zu kurz, dafür hätte ich mir Strategien gewünscht, denn gut auf sich zu  schauen ist zwar eine nötige Anweisung, die aber auch in Konsequenzen münden muss, wenn die Erkenntnisse erfolgreich gelebt werden sollen
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/schau-gut-auf-dich/

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Rezension: Kastanienjahre

Anja Baumheier – Kastanienjahre

  • Verlag: Wunderlich
  • Seitenzahl: 412
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Erzählt wird die Lebensgeschichte von Elise, deren Herz an zwei Orten zu Hause ist: In Paris, wo sie seit über zwanzig Jahren lebt und in Peleroich, ein kleines, verschlafenes Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Der Roman umfasst einen Zeitraum von fast siebzig Jahren, die Zeit von der Gründung der DDR über den Mauerbau bis zur Nachwendezeit 2018. Geprägt ist das Leben von Elise von zwei Männern aus ihrer Jugendzeit,  -Henning, der Fels in der Brandung und Jacob, der Charmeur, der künstlerische Neigungen hat- und der Gemeinschaft und den Menschen in Peleroich. Wie schon bei dem ersten Roman der Autorin, Kranichland, werden Kindheit und Jugend in Zeitsprüngen erzählt und wechseln sich mit den aktuellen Geschehnissen von Elises heutigem Leben ab. Als Elise nach vielen Jahren in ihr geliebtes Heimatdorf zurückkehrt, holt sie die Vergangenheit wieder intensiv ein.
  • Rezension: Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet: ein ansprechendes Cover -passend zum Inhalt- eine hübsche Karte auf der Innenseite von der Lage Peleroichs, mit den wichtigsten Gebäuden, deren Bewohner und Nutzer im Buch eine Rolle spielen,  z.B. der Kastanienhof, benannt nach der Kastanie auf dem Dorfplatz die in der Geschichte von großer, symbolischer Bedeutung ist. Ergänzt wird die Karte durch eine kleine Legende und auf der folgenden Seite von einem Personenverzeichnis, das ich besonders wichtig fand, da durch die Zeitsprünge die Zuordnung der Namen zu den Charakteren erschwert ist. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, der Erzählstil ist eindrücklich und gefühlvoll. Der Leser kann sich gut in Elise mit ihren zwiespältigen Gefühlen hineinversetzen. Die DDR wird nicht klischeehaft  als böse abgeurteilt, sondern durch Personen und Ereignisse verständlich gemacht. Man spürt, wie eine funktionierende Dorfgemeinschaft prägen kann, man geht mit Elise auf Erinnerungsreise und erfährt neben der persönlichen Biografie viel über das tägliche Leben in der DDR, über Konsummangel, Bespitzelung und Fluchthelfer, Schwierigkeiten bei der Berufswahl, aber auch über Nachbarschaftshilfe  und Zusammenhalt. Insofern ist nicht nur die Lebensgeschichte der Hauptprotagonisten lesenswert, sondern auch das Stück Zeitgeschichte, in dem sich das Leben abspielt. Die Autorin baut recht geschickt einen hohen Spannungsbogen auf, der zunehmend rasanter wird und bis zum Schluss trägt: Der Leser muss wissen, wer hinter den mysteriösen Briefen  steckt, die Elise erhält, und wie die Andeutungen, die darin gemacht werden, gemeint sind. Auch wenn schon vor dem Buchende klar wird, wer dieser Unbekannte ist, lohnt es sich sehr, bis zum Ende zu lesen.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.rowohlt.de/hardcover/anja-baumheier-kastanienjahre.html

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Rezension: Der Raub der Himmlischen Tänzerin

Dietrich Schilling – Der Raub der Himmlischen Tänzerin. Ein Krimi aus Kambodscha

  • Verlag: Books on Demand
  • Seitenzahl: 271
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt und Rezension: Erzählungen, die immer im ähnlichen Milieu und im selben Umfeld spielen, sind beliebt: Krimis aus Mallorca, aus der Bretagne, Venedig und jetzt Kambodscha, denn der Autor liebt dieses Land und bezeichnet es als seine zweite Heimat. Folglich spielen alle seine Romane dort und nun also ein Kriminalroman.
    Es geht um einen Kunstraub und kriminelle Machenschaften von dubiosen Antiquitätenhändlern exemplarisch in Kambodscha, aber das lukrative kriminelle Geschäft ist weltweit verbreitet, oft auch unter Beteiligung offizieller Behörden, die von  dem einträglichen illegalen Geschäft profitieren. Der Leser spürt die emotionale Nähe des Autors zu den Menschen in den Ländern Südostasiens. Lokalkolorit und Detailwissen drängen sich deshalb manchmal in den Vordergrund des Krimis, sodass der Plot zuweilen in den Hintergrund gerät. Aber Liebhaber von Kambodscha kommen bestimmt voll auf ihre Kosten, wenn der Autor seine gut beobachteten Szenen schildert.
    Für den Nichtkenner sind die fremdländischen Namen manchmal verwirrend, da sie oft gehäuft auftreten, wie bei den Straßennamen, wenn ein Akteur eine Strecke zurücklegen muss, die man detailgenau beschrieben bekommt, ohne dass  die Erwähnung etwas zur Aufklärung beiträgt. Aber der Autor hat zumindest etwas vorgesorgt mit einem Personenverzeichnis, in dem man immer wieder nachschlagen kann. Das muss man anfangs öfter , aber wenn der Krimi Fahrt aufnimmt, ist man schon mit den  Hauptpersonen vertraut und  erlebt sie als eigenständige Persönlichkeiten, deren Charaktere differenziert und lebendig beschrieben werden.
    Die Handlung ist in sich geschlossen, zuweilen vorhersehbar, aber dennoch flott zu lesen. Krimiliebhaber kommen auf ihre Kosten: Die Geschichte ist  spannend und hat zum Ende noch einen Überraschungscoup bereit. Die  Dialoge der Personen sind authentisch, überraschenderweise gibt es keine professionellen Ermittler,  sondern einen Hobbydetektiv, der sich mit seiner Frau oft gewitzte Rededuelle liefert. Gerade diese Passagen machen dem Leser besonders Spaß, da man sich beide  Eheleute durch die (fiktiven)  Beobachtungen des Autors gut vorstellen kann.
    Fazit: Ein flott geschriebener Krimi, dessen Spannung durch geschickten Szenewechsel aufrechterhalten wird. Die Lebensumstände der Beteiligten sind sehr plastisch geschildert, da mag man über die schon erwähnte Detailverliebtheit getrost hinwegsehen und sich der fremdländischen, faszinierenden Kulisse hingeben. Angeregt nach dem Buch zu greifen wird der potentielle Leser auchdurch das filigrane Titelbild einer Apsara, einer Himmlischen Tänzerin, das von Stephan Zörnig gestaltet wurde.

Quelle des Bildes: https://www.bod.de/buchshop/der-raub-der-himmlischen-taenzerin-dietrich-schilling-9783749462872