Rezension: Der Werwolf von Hannover- Fritz Haarmann

Franziska Steinhauer – Der Werwolf von Hannover- Fritz Haarmann

  • Verlag: Gmeiner Verlag
  • Seitenzahl: 313
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt:Die Geschichte ist bekannt: Bis in die 50er Jahre kannte jedes Kind das „Haarmannlied“, gesungen nach der Melodie des Operettenliedes: „Warte, warte nur eine Weilchen, dann kommt auch das Glück zu dir.“ Daraus wurde: „…dann kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir.“, und es wurde als Erziehungsmittel zur Ruhigstellung und Angepasstheit de Kinder zitiert. Fritz Haarmann, der Massenmörder und Kannibale von Hannover, lebte von 1879 bis zu seinem Tod durch das Fallbeil 1925. Seinen ersten Mord beging er im September 1918, den letzten 1924, insgesamt konnte man ihm 24 Tötungsdelikte nach sexuellen Übergriffen an jungen Männern nachweisen, wahrscheinlich waren es mehr als doppelt so viele. Die Autorin schildert in abwechslungsreichen Perspektiven die Vorgänge der Anlockung und der Ermordung: aus Haarmanns Sicht, aus der Sicht der Reporter, der ermittelnden Polizeibeamten und der betroffenen Familien, Angehörigen der Opfer. Haarmann war ein Massenmörder, der ausschließlich männliche Jugendliche ermordete, die Leichen zerstückelte und das Fleisch erfolgreich verkaufte, ebenso wie die Kleidung der Getöteten. Das Buch ist eine Biografie und ein Kriminalroman, beides meisterlich vereint.
  • Rezension:Massenmörder stoßen ab und faszinieren, mich jedenfalls, und dieser biografische Kriminalroman zieht des Leser in seinen Bann durch die Durchmischung von Fakten und fiktiven Dialogen und Überlegungen. Man denkt, so und nicht anders könnte es gewesen sein, aber man weiß es nicht und das lässt Spielraum für Fantasien und andere Interpretationen. Fiktiv ist die Fahrradtour zweier Freunde, Ludwig und Theo, die nach Hannover fahren und in das mörderische Geschehen eingezogen werden, veranschaulicht durch die reale Biografie des Mörders, später kommentiert durch Presseclub und Polizeikommissariat. Der Werwolf von Hannover ist ein spannendes und akribisch recherchiertes Buch, der forensisch sehr genau ist aber etwas zu wenig Einblicke in die Psyche des Massenmörders gewährt. Zwar wird durch die im „Originalton“ verfassten Passagen die Denkweise des Täters deutlich, aber warum seine Handlungsweisen sich durch so große Kaltblütigkeit und Hemmungslosigkeit auszeichnen wird nicht beleuchtet. Auch die Beziehung zu seiner Mutter, an die er oft mit großer Zärtlichkeit denkt und die er im Himmel wiedersehen möchte, kommt zu kurz.
  • Bewertung: 
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Rezensionen 2017 von Zorro. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.
Zorro

Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.