Rezension: Verleihe niemals deinen Mann

Graham Greene – Verleihe niemals deinen Mann

Verleihe niemals

  • Verlag: Verlag Klaus Wagenbach
  • Seitenzahl: 104
  • Teil einer Reihe?: Nein, aber es gibt ein vergleichbares Buch des selben Autor: „Heirate nie in Monte Carlo„, dessen inhaltliche Fortsetzung es ist.
  • Inhalt: Wenn das Buch auch kein Teil einer Serie ist, so ist es doch quasi inhaltliche Fortsetzung des Romans von Graham Greene „Heirate nie in Monte Carlo„. Schon optisch passen die beiden schmalen  Bändchen perfekt zusammen: roter Leineneinband mit einem nostalgisch anmutenden Foto eines jungen Paares im bzw. am Wasser. Der letzte Band mit den beiden Erzählungen erschien als englisches Original erstmals 1967 und wurde nun von Wagenbach neu aufgelegt. Sowohl in „Verleihe niemals deinen Mann“ als auch in der 2. Erzählung „Billig im August“geht es um die Liebe und das Fremdgehen in der Ehe. Die Erzählungen spielen wie immer bei dem Autor an malerischen Plätzen, diesmal wieder an der Riviera und in Jamaika, wo der August schon zur Nachsaison zählt und deshalb billiger ist und sich von Menschen geleistet werden kann, die sonst eher sparsam leben. Während das Motto des vergangenen Romans „The Loser takes it all“ war, ist es jetzt das trotzige: „Je ne regnete rien!“ („Ich bereue nichts!“ nach einem bekannten französischen Chanson!)
  • Rezension: Dem Autor ist mit der 1. Erzählung eine wunderbare Beschreibung menschlicher Beziehungen, Begierden, Sehsüchte und Selbsttäuschungen gelungen. Durch die Ich-Form fühlt sich der Leser mittendrin im Geschehen. Obwohl äußerlich nicht viel passiert, eröffnet sich dem Leser ein facettenreiches Spektrum menschlicher Verhaltensweisen. Der Autor ist dabei Beobachter (er erahnt die Entwicklung) und Beteiligter zugleich. (Er ist ein wenig verliebt in die frisch verheiratete Flitterwöchnerin.) Sie ist im „Alter des Vertrauens“, er in jenem „des Zynismus“, woraus sich psychische Spannungen der Extraklasse ergeben. Auch die zweite Erzählung ist äußerst subtil beobachtet und spannend geschrieben. Wieder geht es um Innenschau der Protagonistin Mary, eine 39-jährige Ehefrau, die aber alleine Urlaub in Jamaica macht. Sie lässt sich auf eine kurze sexuelle Begegnung mit einem siebzigjährigen Hotelgast ein, der aus ihrer Sicht als klug und warmherzig geschildert wird. Wie sich die Segnung entwickelt ist so spannend und vorurteilsfrei dargestellt, dass man der fremdgehenden Ehefrau nicht böse sein kann. Was sie macht, ist nachvollziehbar und manchem Leser vielleicht aus eigenen Wünschen bekannt. Beide Erzählungen sind so unspektakulär und trotzdem so faszinierend – wirklich große überzeugende Schreib- und Gedankenkunst!
  • Bewertung: 5 Sterne
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Zorro

Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

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