Rezension: Weiße Rose. Briefe

Christoph Probst – Weiße Rose. Briefe 

  • Verlag: Cello Verlag
  • Länge: 1 CD, 71 Minuten
  • Teil einer Reihe?: Ja, es ist Teil der Reihe „Unsere Geschichte“.
  • Inhalt und Rezension:  Der Name „Weiße Rose“ ist untrennbar mit Hans und Sophie Scholl verbunden. „Weiße Rose“ war der Deckname einer studentischen Widerstandsbewegung gegen das Hitlerregime. Hauptaktionsradius war München, aber Kontakte liefen auch zu Studentengruppen in Hamburg, Freiburg, Berlin und Wien. Der Münchner Kerngruppe, bestehend aus fünf Studenten und einem Philosophieprofessor, gehörte auch Christoph Probst an. Probst war ein lebensbejahender, verantwortungsbewusster junger Mann, der bei seiner Hinrichtung am 22. Februar 1943 dreiundzwanzig Jahre alt war und eine Frau und drei kleine Kinder hinterließ, das Jüngste erst vier Wochen alt. Die Widerstandsgruppe wandte sich aus Empörung über die sittliche und politische Kapitulation (1942/43) des Bildungsbürgertums mit Flugblättern und Inschriften wie „Nieder mit Hitler“ an die Öffentlichkeit, um den Teufelskreis zu durchbrechen, in dem jeder wartet, bis der andere anfängt und so alle schuldig werden. Probst Geisteshaltung war folgende: „ Wir haben durch unsere Haltung und Hingabe zu zeigen, dass es noch nicht aus ist mit der Freiheit des Menschen. Einmal muss das Menschliche hoch emporgehalten werden, dann wird es eines Tages wieder zum Durchbruch kommen.“
    Enttarnt wird Probst durch einen Zufall. Hans Scholl hatte bei seiner Verhaftung einen handschriftlichen Entwurf von Probst für ein Flugblatt in der Tasche, den er zerriss und verstreute. Die Handschrift verriet Christoph, den man aus aktiven Widerstandsaktionen herausgehalten hatte, da er ja Ehemann und Vater war. Die Briefe von Probst an seine Freunde und an Familienmitglieder sind aus Sicherheitsgründen kaum politisch gehalten. Sie charakterisieren den jungen Mann aufs Genaueste und der Mensch Christoph wird sehr lebendig, wenn man seinen Briefen lauscht. Den Briefen voran ist eine Kurzbiografie gestellt, so dass man „Christl“, wie er genannt wird, gut historisch einordnen kann. Dann folgen 13 Briefe an Mutter und Stiefmutter, an Geschwister und an seine Ehefrau und an Sophie und Hans, aus denen man den sensiblen Menschen Christoph sehr deutlich vor Augen hat, sehr berührt wird von den Schilderungen seiner Empfindungen, Sehnsüchte und guten Wünschen für andere. Selten hat mich ein Hörbuch so berührt , sicher auch durch die absolut passende Stimme des Schauspielers Sebastian Bezzel, die die Wärme aber auch die Selbstironie von Probst lebendig werden lässt. Aus allen Briefen werden neben der Lebenslust des Schreibers auch sein kritischer Verstand, die Fähigkeit zur Eigenanalyse und die große Fürsorge für seine Liebsten deutlich. Ihnen schreibt er einen Tag vor seiner Hinrichtung heitere Abschiedsbriefe, legt ihnen ans Herz, sich nicht um ihn zu sorgen, das könne er nicht ertragen, ihnen Kummer bereitet zu haben. Vielmehr sollen sie nie den Mut und das Vertrauen verlieren. Christoph Probst war ein wirklich besonderer junger Mensch, über den oder von dem man mehr hören oder lesen möchte.
  • Bewertung: 
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Zorro

Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

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